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Unter Woelfen | Ausgabe 10 | Saison 2016/2017

59-Jährige. Bei der breiten Masse kam Beckert, eigentlich gelernter Klempner und Installateur, mit seiner humorvollen Art hervorragend an. Der große Plan jedenfalls, die Stimmung bei den Heimspielen zu steigern, ging bald auf, und zwar nicht nur für den Moment. Denn einige seiner Aktionen und Ideen setzten sich bis in die Gegenwart durch. So soll es beispielsweise Beckert gewesen sein, der die erste La Ola am Elsterweg in Gang gesetzt bekam. Was ebenfalls auf ihn zurückgeht, ist „Rama Lama Ding Dong“, die bis heute berüchtigte VfL-Tormusik. „Ein Freund hatte mich auf die Idee gebracht. Wir haben es zuerst beim Eishockey ausprobiert und dann übernommen. Dass es heute immer noch gespielt wird, ist natürlich toll.“ Nur noch kurz im Oberhaus Der gebürtige Wolfsburger spielte in jener Saison – analog zu manchem Spieler auf dem Platz – die Rolle seines Lebens. Damals den Puck gegen das Leder getauscht zu haben, auch wenn der Zauber nur ein gutes Jahr dauerte, empfindet er im Rückblick deshalb auch als großen Gewinn. „Es hat riesigen Spaß gemacht, gemeinsam mit den Fans etwas auf die Beine zu stellen. Nicht nur wegen des Aufstiegs: Was ich hier erleben durfte, werde ich nie vergessen.“ Selbst in Beckerts Ausscheiden sollte ein Stück weit schließlich Bestätigung liegen. Denn zu Ende ging es für ihn nicht, weil der VfL zum alten Modell zurückgekehrt wäre, sondern sich weiter professionalisierte. Bald nach dem Einzug ins Oberhaus sollte ein Medienpartner die Moderationen übernehmen. Reporter reingelegt Auch wenn knapp zwei Dekaden ins Land gezogen sind: Einige seiner Schoten bekommt Beckert, der heute als Autoverkäufer in Braunschweig arbeitet, noch wortwörtlich zusammen. Manche zeugen davon, dass er der Zeit damals ein Stück weit voraus gewesen ist. „Einmal ging es auf dem Spielfeld recht langweilig zu. Da habe ich mir das Mikro genommen und aus Jux einfach durchgesagt, ein Herr Müller aus Heiligendorf möge doch bitte schnell nach Hause kommen, um seiner Frau beim Melken zu helfen“, berichtet er. „Die Resonanz in der Presse werde ich nie vergessen. Ein Boulevard-Journalist hatte den Satz für voll genommen und lästerte, bei unseren Heimspielen würde man den dörflichen Charakter des VfL Wolfsburg immer noch wiedererkennen.“ Kohls Amtsvorgänger William Wachtel bei einem Besuch am Elsterweg im Jahr 1991. Nach seinem Ausscheiden am Elsterweg hat der Wolfsburger nie wieder moderiert. Heute arbeitet er in Braunschweig. Ein echtes grün-weißes Urgestein: Siegmar Kohl, der noch bis 1999 Spiele der Ersten moderiert. 2013 stirbt er im Alter von 73 Jahren. Unter Wölfen Aufstieg`97 | 33


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